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Kein legitimes Interesse der Öffentlichkeit

  • 26. August 201326/08/13

In der Wochenendausgabe vom 24.08.2013 berichten die OÖN aus dem psychiatrischen Gutachten über das „Seelenleben der Angeklagten“ im Mordfall von Taufkirchen. Nach meinem ethischen Verständnis besteht für die Veröffentlichung medizinischer Diagnosen hier – wie in den wenigsten Fällen – kein legitimes Interesse und Recht der Öffentlichkeit auf Information; auch dann nicht, wenn es sich bei den betroffenen Menschen um (mutmaßliche) Straftäter handelt.

Hier der Originalartikel:

Gutachten: „Beide halten sich für etwas besonderes“
In 92 Seiten starken Expertise analysiert Psychiaterin Heidi Kastner das Seelenleben der Angeklagten.
Im Mordfall von Taufkirchen beauftragte die Staatsanwaltschaft die renommierte psychiatrische Sachverständige Heidi Kastner mit einem Gutachten zur Frage, ob der Enkel und der Ehemann der getöteten Frau zurechnungsfähig seien. Das Ergebnis der Analyse der Primarärztin der Forensik der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg: Bei beiden Angeklagten gebe es keine Hinweise auf Geisteskrankheiten, sie seien daher schuldfähig.
Dennoch stellte die Expertin anhand des Aktenstudiums und zahlreicher persönlicher Gespräche mit den U-Häftlingen psychische Auffälligkeiten fest. So werden der Enkel und sein Großvater als narzisstisch gestörte Charaktere mit mangelhaftem Einfühlungsvermögen eingestuft. Beide würden sich für etwas Besonderes halten. Der vom Opa beim Erlernen von Musikinstrumenten regelrecht gedrillte Enkel könne sich ihm in direkter Konfrontation nicht widersetzen. Es sei für den Schüler einfacher gewesen, die Oma tatsächlich zu töten, als weiterhin dem Druck des Seniors ausgesetzt zu sein, lautet im Gutachten die Erklärung für den mutmaßlichen Mordauftrag.
Der Ehemann nehme sich zwar als gesellschaftliche Stütze in Taufkirchen wahr, habe aber keine Probleme, soziale Normen zu ignorieren, wenn es um seine Seitensprünge gehe. Der Witwer bedauere den Tod seiner Frau mit der Begründung, er selbst sei im Haushalt „gänzlich ungeübt“ und vermisse die „angenehme Umgebung mit Haus und gepflegtem Garten“.

Der obige Eintrag wurde als Leserbrief am 26. Aug. 2013 in den OÖN veröffentlicht.

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